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Die schönsten Märchen von Rafik Schami

7. Fortsetzung

"Mein Gott, jetzt wird es Mord und Totschlag geben", flüsterte der Richter, als die Frau festen Schrittes zur Tür ging.

"Ich habe Hunger", rief ihr Mann, "und da ich wußte, daß du mich nicht erwartest, habe ich auf dem Weg hierher fünf Fladenbrote, Sesamöl und Traubensirup gekauft. Du hast mich nicht erwartet, habe ich recht?"

"Ja, du hast recht. Erstaunlich, wie du immer alles weißt!" höhnte seine Frau.

"Klug muß der Mensch sein! Weib, mach mal Licht in der Küche, damit wir dort essen können."

"Wir haben seit Tagen kein Öl mehr. Wozu auch dieser widerliche Geruch? Wir können im Dunkeln essen und den Mond anschauen", erwiderte seine Frau.

Der Mann setzte sich hin, und die Frau brachte zwei Teller, in die sie Sesamöl und Sirup füllte. Die Küche lag gegenüber dem Holzstall, und als der Richter hustete, schaute der Ehemann sich um. "Wer hustet dort im Holzstall, Frau?" fragte er.

"Drei Derwische", antwortete sie.

"Ja, ich weiß", antwortete er. "Derwische mögen gern im Holzstall schlafen." Und dann begannen sie zu essen. Der Mann, seine Frau und ihr Liebhaber, der immer noch in der Küche weilte. Ihr Mann aß zwei Brote und sie eins. Als ihr Mann abermals nach den Broten griff, fand er nur noch einen Fladen.

"Wie viele Brote hast du gegessen, Frau?"
"Ich habe eins gegessen."
"Und ich habe zwei gegessen. Geblieben ist eins, das macht vier. Kannst du mir folgen, Frau? Wo ist das fünfte Brot?"

"Der Bäcker hat dich reingelegt und vier statt fünf eingepackt", antwortete sie ruhig.
"Frau, ich bin der Klügste in dieser Stadt. Ich lege die Damaszener Händler herein, und ein lausiger Bäcker soll mich betrogen haben? Du kennst deinen Mann nicht. Die Händler von Beirut gehen bei mir in die Schule und die von Kairo schließen die Läden, wenn sie hören, ich sei in der Stadt angekommen, und die Händler von Bagdad..."

"Ist ja gut. Es war nur eine Idee."In diesem Augenblick fiel der Mondschein durch ein kleines Fenster auf die Stelle, wo sie saßen, und der Mann betrachtete die Schüssel; da sah er, daß außer seiner Hand und der seiner Frau noch eine dritte Hand da war, die in die Schüssel langte.

"Du hast ja jemanden bei dir, der mitißt, und behauptest, der Bäcker habe mich betrogen!"

"Ich soll einen Mann bei mir haben?" verwunderte sich die Frau. "Du hast ihn mitgebracht. Er war im Sesamölbehälter, den du gekauft hast."

Da faßte der Ehemann den Liebhaber bei der Hand. "Ich werde den Krämer fragen, und wehe dir, Weib, wenn du mich belogen hast." Er ging mit dem Liebhaber zum Krämer.


Fortzetzung folgt
27.3.07 21:12
 
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